Abschied

Der Herbst, ein Abschied.

Der Baum auf der herbstlichen, nebelverhangenen Wiese ist beim Sonnenaufgang gleichzeitig ein Symbol für Abschied, wie auch Neubeginn.

Im Herbst weicht Leben der Vergänglichkeit.

Im Herbst weicht Leben der Vergänglichkeit, das Licht weicht der Dämmerung. Die Wärme weicht der Kühle. Der Nebel am morgen verhüllt gnädig die Felder und Wiesen. Eine Stimmung von Abschied.

Der Wind rüttelt an den Bäumen und trägt die Blätter behutsam zu Boden. Das schwache Leuchten der Sonne, auf den welkenden Blättern, bringt seinen eigenen Zauber hervor. Dies gilt auch für unser eigenes Leben. Nach den Jahren der Blüte und Schaffenskraft, folgt im Herbst der Abschied. 

Abschied vom Tag im Herbst

Der Abschied.

Man hat das Gefühl, die Welt dreht sich ein wenig langsamer. Als würde sie jeden Moment innehalten. Es folgt ein Stillstehen, ein Still sein. Und es ist, als wolle die Stille etwas sagen. Als wolle sie sagen: das von nun an etwas fehlt.

Wir alle sind eins im Kreislauf des Lebens. Wir alle, sind eins mit der Natur. Deshalb nimmt sie uns auf, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

„Unser Leben ist gehen und gehen lassen.“

Ein Satz, so leicht gesagt … und doch malt es in unseren Gedanken so viele unzählige Erinnerungen, vor allem an vergangenes Leben. Und neben den vielen Erinnerungen ist es auch Trauer und Traurigkeit, die wir beim endgültigen Abschied spüren. 

Draussen am Himmel, ziehen die Wolken viel schneller als sonst von einem Ort zum anderen und die wenigen Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Wolkendecke bahnen, können unsere Herzen kaum erreichen. 

Der Regen wirft langsam seine Tropfen an die Fensterscheiben, lässt nur noch wenig Licht hindurch.

An einem trüben Tag im Herbst, am Tag des Abschieds, fehlen uns oft die Worte, die beschreiben könnten, was man fühlt. Im Inneren, im Herzen.

Es gibt sie aber, die Worte, die es zu sagen gilt, die ein vergangenes Leben beschreiben und erzählen sollen, um dennoch nicht stumm bleiben zu müssen. 

Denn Worte in der Stunde des Abschieds können begleiten, können die Dankbarkeit für einen Menschen noch einmal zum Ausdruck bringen, können uns Mut und Hoffnung geben, wenn sie unsere Herzen erreichen, wenn sie unsere Herzen berühren.

Ewig Zeit.

Und gerade in Stunden des Abschied-Nehmens wird uns meist erst bewusst, wie kostbar unser Leben doch ist. Jeder einzige Atemzug ist kostbar. Jeder einzelne Moment. Manchmal sind wir der Ansicht, wir hätten noch ewig Zeit: Zeit für die Menschen, die wir lieben. 

Manchmal aber ist es nur ein Augenblick, ein Moment, eine schlimme Krankheit, ein wenig Unachtsamkeit und alles verändert sich. 

Ein letztes Mal.

Alles geschieht irgendwann zum letzten mal und dann ist die Zeit, von der wir glaubten, sie könne endlos sein, vorbei. Dann sehen wir Menschen zum letzten Mal, weil sie danach  auf eine Reise gehen, der wir nicht folgen können, von der es auch kein Zurückkehren gibt. Ein vergangenes Leben verdient unsere ganze Traurigkeit,  die mit unseren Tränen Abschied nimmt. 

Und so dürfen wir, gerade auch im Herbst, wo die Natur um uns herum Abschied nimmt, auch den Menschen liebevoll in die Mitte nehmen, dankbar sein für das, was war und neugierig bleiben, auf das, was kommt. 

Wir können die Zeit nicht aufhalten, nicht umkehren. Wir können Gesagtes nicht wieder zurück holen, umformulieren, anders aussprechen. 

Aber: wir dürfen dankbar sein. Für alle Liebe und Fürsorge, die ein Mensch in unser Leben hineingetragen hat.

Dankbar  für die richtigen Worte zur richtigen Zeit, Dankbar für alles Verständnis und Vertrauen. Dankbar auch für all das Schwere, was er oder sie anderen Menschen abgenommen hat. 

Und: wir können leben, aufgehen und weiterziehen im Kreislauf des Lebens. Mit all den Erinnerungen, mit Fotos, mit Gedenkseiten, mit Geschichten und Anekdoten. 

Wir können leben, aufgehen und weiterziehen im Kreislauf des Lebens.

So wie es die Natur uns vor macht… und wir dürfen trotzdem etwas behalten.

Etwas von dem was war: die Liebe, den Dank und die Erinnerung.

Foto: AdobeStock_47055686

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